
Bikini-Wetter und das Ende September
Ich schreibe erst heute, weil ich Montag Schlaf nachholen musste und Dienstag und Mittwoch jeweils bis 18:30 Uhr Uni hatte:
Also das WEI (= weekend d´intégration) hat stattgefunden am See von Hourtin-Carcans. Das ist im Südwesten Frankreichs ganz in der Nähe von Bordeaux und dem Atlantischen Ozean. Es war sehr warmes Wetter, d.h. ich habe viel Zeit am Strand (vom See leider nicht vom Ozean) verbracht und habe mich Ende September gesonnt und natürlich auch verbrannt.
Aber der Reihe nach, wir sind Donnerstagabend los gefahren mit 3 Reisebussen voller trinkwütiger ENSAEler.

Li und ich
Die Nachtfahrt haben wir mit Singen und Tanzen im Bus verbracht. Das BDE (=bureau des élèves, Fachschaft) hat sich um unser leibliches Wohl gekümmert und uns zum Singen von u.a. Barbie Girl animiert. Das war sehr lustig, aber nicht weiter überraschend. Neu für mich war insbesondere „La danse de Limousin“. Dieser Tanz ist ein Lied, das gesungen wird, damit sich die Leute ausziehen. Also immer wenn irgendeine Ansage kam, musste der Ansager mindestens sein T-Shirt ausziehen. Das ging dann im besten Fall bis zur Hose :). Außerdem gab es Challenges im Tektonik. Tektonik ist der Tanzstil zu Techno / House hier in Frankreich. Das ist so wie im Video von Mondotek – Alive.

Tektonik nach dem Danse de Limousin
Glücklicherweise habe ich auch 4 -5 h Schlaf abbekommen, ein hoch auf Ohrstöpsel.
Samstag gegen 9 Uhr morgen sind wir in Hourtin angekommen. Wir waren in einer Ferienanlage mit Bungalows und Pool untergebracht.

Poolanlage
In den Bungalows gab es 2 Doppelstockbetten und ein Doppelbett. Ich habe natürlich laut „hier“ geschrien beim Doppelbett, aber die Jungs meinten es wäre klüger, wenn die beiden Mädels in einem Zimmer sind. Also habe ich mir ein Zimmer mit Li geteilt. Eigentlich war das auch vollkommen egal, denn wir haben nicht viel Zeit im Bungalow verbracht.

Holzschloss, könnte auch ein Spielplatz sein
Am Samstag Vormittag haben wir die Umgebung erkundet und Spielplätze und den Strand vom See gefunden. Die Luft war dort so sauber, dass ich zum ersten Mal bemerkt habe wie schlecht sie in Paris ist.

Strand vom Lac d'Hourtin-Carcans und Berhards Kopf
Nachmittags waren so Teamspiele. Ich hatte ein unmotiviertes Team, das nach der Hälfte der Spiele lieber an den Strand gegangen ist, als weiter an den Wettkämpfen teilzunehmen. Ich fand das ziemlich blöd und habe mich einfach zu einem anderen Team gesellt. Es gab ein Bier-auf-Ex-Trinken-Parcours, klar dass ich den mit gemacht habe. Ich war in einem Mädchenteam und wir haben den Parcours gegen Jungs gewonnen, ein hoch auf Boatrace-Training!
Beim Blindtest musste man die u. a. alkoholischen Zutaten aus zusammen geschütteten Getränken heraus schmecken. Da waren Jasmin und ich echt gut – besser als die Franzosen um genau zu sein :). Irgendwas müssen wir ja gelernt haben, während die sich 2-3 Jahre in der prépa weiter gebildet haben und wir Party gemacht haben. Die anderen Spiele waren wie die aus Takeshi´s Castle:

Babyfoot
Babyfoot war sehr amüsant. Das ist Tischkicker nur mit echten Menschen, die an Stangen gebunden sind und gemeinsam hin und her laufen müssen um den Ball zu erreichen. Außerdem habe ich zum ersten Mal Beach Soccer gespielt. Das hat sehr viel Spaß gemacht, das Spiel an sich sowie das Gefühl Ende September am Strand Beach Soccer zu spielen.

Ich im Sumo Anzug.
Sumo-Ringen gab es auch, so mit krass großen und schweren Gummianzügen. Ich habe gnadenlos verloren, aber witzig war es trotzdem. Und man konnte sich mit Riesen-Wattestäbchen behauen:

Riesen-Wattestäbchen-Duell zwischen Gun und Li
Die Partys abends waren krass. Die erste war die mit dem Motto „HighWEI to hell – StarWEI to heaven“ zum Verkleiden. Meine Idee mit dem Spruch „Wenn man den ganzen Alkohol (Jägermeister, Bier, Barcardi, Tequila) durcheinander trinkt, dann ist der nächste Tag die Hölle“ war echt gut, aber niemand hat den Alkohol anhand der Zeichen (Tequila-Hüte, Jägermeister-Blumenkette,…) erkannt, weil die in Frankreich nicht so bekannt sind wie bei uns.

Gun und ich in unseren Kostümen
Ich habe 30 Minuten gebraucht um Jasmin in ihr Korsett zu schnüren und gerechterweise hat sie dann auch den ersten Platz der Verkleidung gemacht. Sie hat einen IPod Nano mit 4GB gewonnen.

Yassine, Sylvie und Jasmin
Die Musik war sehr gut durchmischt – Rock, House – und die Open-Bar war lecker mit Malibu bestückt. Es gab niemanden der am Rande der Tanzfläche einfach nur rumgestanden und geguckt hat. Die Leute, die nicht getanzt haben, standen draußen und haben sich unterhalten. Die Dynamik auf der Tanzfläche war unglaublich. Alle Leute sind ständig von einem Ende zu anderen gewechselt und irgendwie stand ich ständig allein da, weil ich die Dynamik nicht so recht gepeilt habe. Dazu kommt noch, dass es unglaublich schwer ist auf Französisch Smalltalk zu reden, wenn man schon normal ewig braucht um einen ordentlichen Satz zu bilden. Aber ich habe mich trotzdem gut amüsiert.
Die Party am Samstagabend war noch mal krasser im Sinne der Dynamik auf der Tanzfläche und des Alkoholspiegels der Gäste. Was die Leute auf die Fresse geflogen sind, weil die Tanzfläche voll gekleckert war und sie ausgerutscht sind beim Tanzen, das war unglaublich. Dass sich da keiner ernsthaft verletzt hat, wundert mich. Ich wurde ständig angerempelt beim Tanzen, aber das ist hier nicht verwunderlich, denn man geht ja schon auf der Straße näher an einander vorbei, also ist das Gefühl der persönlichen Distanz unter Alkoholeinfluss und auf Party quasi auf null gesunken. Aber angenehm ist das nicht. Ich habe mich dann eine ganze Weile mit Leuten unterhalten. Dabei habe ich erfahren, dass Käse ohne Schimmel kein ordentlicher Käse ist nach französischem Maßstab und das so etwas wie Federweißer auch hier existiert, aber ich habe nicht herausgefunden wie der hier heißt.
Außerdem musste ich auf der Party meinen parrain (Tutor) ausfindig machen. Ich hatte keine große Gelegenheit mich mit ihm zu unterhalten, aber alle Leute haben mir gesagt, dass er voll cool ist. Ich werde mich mit ihm erstmal auf einen Kaffee treffen, bevor ich ihn mit meinem Haufen mathematischer Fragen belaste. Wir haben das mit Ralph (HUler ein Jahr über mir) vorher so abgesprochen, dass wir Deutschen einen französischen parrain bekommen, weil wir die Hilfe der Deutschen sowieso sicher haben. Also hat Ralph Gun eine hübsche Französin vermittelt und Jasmin und mir hübsche Franzosen :).
Das Wochenende war trotz wenig Schlaf sehr erholsam, einfach weil es Strand und Sonne und Party gab. Mental hat mir das gut getan, hat aber nicht gereicht um mich über den immer größer werdenden Haufen an Arbeit hinwegzutrösten.
Ich weiß inzwischen nicht mehr wo ich anfangen soll mit lernen. An den Tagen wo ich gute Laune habe, stört mich das nicht weiter, aber an Tagen wo ich schlechte Laune habe, ist das sehr demotivierend und ein Gefühl von Ohnmacht, was ich so noch nie erlebt habe.
Ich will zurück in den Süden Frankreichs, wo ich mir nur Gedanken um mein Partyoutfit und um roten oder rosé Wein für das Abendbrot gemacht habe!!!

Arthur, ich, Bernhard, Li, Bastian, Hélène beim Abendbrot
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